Ride Wild West
Unsere Fahrrad-Reise von New York nach Seattle

 


18. Juli 2018, 01:34

Mo. 16.7. - 78. Tag: Ende des Glutofen?

Prosser, WA – Yakima, WA: 89 km

Unsere Fahrräder haben wir schon gepackt, mit dem Aufzug nach unten gebracht und um 6.00 Uhr
gemeinsam mit Viola und Peter gefrühstückt. Nach einer kurzen Verabschiedung und einem Kurzstopp zum Wassereinkauf an der Tankstelle, haben wir uns um 7.00 Uhr auf den Weg nach Yakima gemacht.
Die Strecke heute war wirklich einfach und flach (Yeah!) und Hitze-erprobt sind wir durch die letzten Tage auch reichlich.
Wie gestern kamen wir an vielen Häusern vorbei, deren Besitzer Tiere (Hühner, Ziegen, Schafe, wenige Kühe) im Garten hatten. Diese haben die Tiere sicherlich aus Spaß und Tierliebe gehalten, sondern vermutlich – wie man auch am Zustand der Häuser erkennen konnte – um sich damit selbst versorgen zu können. Zum Teil gehörte auch ein kleiner Garten dazu.
Entlang des Weges haben wir erst einmal viele Weinfelder, Maisfelder, aber auch große Hopfen-Anbauflächen gesehen.
Wie gestern sind wir wieder auf der „Old Inland Empire Hwy“ gefahren, die später in den „Yakima Valley Highway“ überging. Die Straße war leer, wir hatten einen breiten Seitenstreifen und das Fahren wurde nur ein wenig durch jede Menge Schotter und Reifenreste auf dem „Shoulder“ getrübt. Wir mussten teilweise Slalom fahren! So ein Reifenstück, hat übrigens bei Petra den platten Reifen verursacht. In diesen Reifenresten befinden sich Metalldrähte und wir sind sicherlich schon über etliche versehentlich drüber gefahren, aber einmal hat es den Fahrradreifen dann doch erwischt! Also lieber vorsichtig um diese Stücke fahren.
Die Sonne lachte wieder vom Himmel und wir wollten daher auch wieder früh Yakima erreichen. Nach 62 Kilometern haben wir im Schatten eines Baumes eine kurze „Bananenpause“ eingelegt, Wasser in die Flaschen nachgefüllt und sind dann weiter. Nach so einem Stopp im Schatten kommt es einem in der Sonne noch wärmer als vorher vor.
Die Mais-, Wein- und Hopfen-Felder wurden jetzt durch riesige Obstplantagen abgelöst.
Die reifen Früchte; Kirschen, Äpfel, grüne und rote Birnen, hingen in der Sonne und sahen so einladend und appetittlich aus, dass wir am liebsten sofort für den Eingenbedarf gepflückt (und gegessen) hätten.
Am Horizont tauchten auf einmal Mount St. Helens und Mount Rainier auf, je weiter wir fuhren, umso klarer konnten wir die beiden Berge erkennen. Sehr imposant.
Aufgefallen ist uns heute, dass hier vermehrt Ziegen gehalten werden und die Produkte (Milch und Käse) auch zum Verkauf angeboten wurden. Auch haben wir wieder so eine große Rinderzuchtfarm gesehen, es gibt Straßen durch die einzelnen Bereiche und die Tiere haben nicht wirklich viel Platz.

Nach etwa 75 Kilometern haben wir die Einfahrtsstraße von Yakima erreicht. Verblüffend, wie viele und große Autohändler aller möglichen Hersteller es hier gab und wie viele Geschäfte und Restaurants mit spanischer Beschriftung. Ein deutliches Zeichen, wie viele „Hispanic Americans“ hier leben (die meisten als Erntehelfer, wie wir es heute auch gesehen haben oder als Gärtner für die Rasenpflege).
Wir haben einen Stopp bei McDonalds zum Salatessen, Cola-Trinken und Abkühlen eingelegt und mussten danach diese eine Einfahrtsstraße („Mainstreet“) noch 8 Kilometer geradeaus fahren, um unser Hotel zu erreichen. Hier waren wir um 12.30 Uhr und nach einem kurzen Gespräch mit einem Gast über unsere Tour wurde uns spontan von diesem und der Rezeptionistin Applaus gespendet. Das war sehr nett.
Leider mussten wir jetzt noch 6 Kilometer radeln, um unser Essen für morgen zu besorgen, da wir wieder auf einem Campingplatz irgendwo im nirgendwo übernachten werden. Wir fahren durch die letzte Bergkette zur Küste und hoffen, dass ein paar Bäume den Weg säumen, damit es etwas kühler ist und wir dem Glutofen hier entkommen.

Redakteur

Kommentare (0)

Kommentieren


18. Juli 2018, 01:31

So. 15.7. - 77. Tag: Horse Heaven Saloon

Kennewick, WA nach Prosser, WA: 64 km

Wieder ein sehr warmer Tag, an dem wir erst um viertel nach sieben losgefahren sind, weil die Strecke heute nicht so lang war.
Zunächst mussten wir aus Kennewick raus fahren und das Fahren durch die Stadt war diesmal wirklich schön. Wir sind nur durch Wohngebiete mit ausnahmslos schönen und gepflegten Häusern gefahren. Nach einiger Zeit konnten wir einen Radweg benutzen und durch die Tatsache, dass Sonntag war, hatten wir so gut wie gar keinen Verkehr.
Nach etwa 25 Kilometern waren wieder die ersten Weinfelder in Sicht, aber Hinweise auf Weingüter gab es keine.
Ein paar leichte Anstiege waren in der Strecke heute auch vorhanden, Zeit hatten wir schon, aber auch immer die Angst, wenn wir zu lange brauchen, dass es auf der Strecke noch heißer wird (Nachmittags 40° Grad im Schatten).
Abwechslung bot der Tag auch, ging es doch nicht nur schnur-geradeaus, sondern wir mussten einige Male die Richtung ändern. Das war ein bisschen wie der Start unserer Tour, wo wir das kleine Garmin-GPS-Gerät häufig benutzt haben.
In dem kleinen Ort „Benton City“ haben wir eine Abfahrt in die „Old Inland Empire Hwy“ verpasst und sind ein wenig zu weit geradelt (natürlich mit einem kleinen Anstieg, wie sollte es auch anders sein?). Verpasst auch nur deshalb, weil die Straße auf dem Straßenschild „O.I.E.“ hieß und wir das schlicht übersehen haben. In diesem Ort haben wir ein Portemonnaie mit einer Kreditkarte darin gefunden und beim nächsten Haus abgegeben. Die noch etwas verschlafenen Hauseigentümerin hat sich schon etwas gewundert, dann aber festgestellt, dass das Fundstück der Nachbarin gehört und sich bedankt.
Einige Zeit später sind wir parallel zum Yakima River gefahren, den wir allerdings nur von Weitem und von oben sahen.
Am Flussufer war es etwas grüner, ansonsten dominierte die Farbe braun, es sei denn, es wird bewässert, was natürlich auf den Feldern und auch in fast jedem Garten (und sei das Haus auch noch so schäbig) getan wird.
Unterwegs passierten wir auch eine große Massen-Rinderzuchtfarm, auf der die Kühe auf Erde stehen und vermutlich in ihrem ganzen Leben keinen einzigen Grashalm zu fressen kriegen. Traurig.
Viele der Häuser haben Kleintiere bei sich im Garten, z.B. Hühner, Ziegen oder auch einige Schafe.
An einem Grundstück, wir waren schon fast in Prosser, hatte sich eine Ziege mit ihrem Kopf im Zaum verfangen und kam nicht mehr heraus. Wir haben einem Mann in der Nähe (der gerade seinen Garten bewässerte) darauf aufmerksam machen wollen, aber es stellte sich heraus, dass dieser etwa 70-jährige Mann kein Wort Englisch, sondern nur Spanisch sprechen konnte. Also mit Händen und Füßen kommunizieren.
Wir wurden zum Nachbarhaus geschickt, wo uns ein kleiner, nicht ernst zunehmender Hund ängstlich-wütend anbellte. Er war der einzige Anwesende. Also haben wir eine Nachricht hinterlassen, in der Hoffnung, dass der Ziege bald geholfen wird. Das Grundstück wollten wir nicht betreten, man weiß ja nicht, ob einer mit einem Gewehr auf uns lauert und erschießt. :)
Um 12.00 Uhr waren wir schon in Prosser, weil die Strecke recht einfach war. Aufgrund der Hitze waren wir froh, schon so früh da zu sein und haben uns zunächst ein spätes 2. Frühstück gegönnt, um dann satt und zufrieden im Hotel einzulaufen.
Die letzten Monate, Wochen, Tage und insbesondere heute, haben wir uns auf den Nachmittag gefreut. Viola und Peter (Norberts Bruder und seine Frau) kommen auch nach Prosser und wir verbringen den Nachmittag und Abend miteinander. Diese Verabredung (15.7.2018, 16.00 Uhr im Horse Heaven Saloon in Prosser) besteht seit 1,5 Jahren! Und sie hat geklappt. Wir haben uns alle 4 sehr gefreut.
Um kurz vor 15.00 Uhr kamen die beiden an und wir sind nach Prosser Downtown in den Saloon gefahren. Allein die Saloon-Eingangstüre mit den beiden Colts als Türgriffe war ein Erlebnis. Der Saloon war innen sehr schön mit bemalten Wänden (sogar auf den Toiletten)! Wir haben uns statt Wein (Prosser ist eine Weingegend, der Ort wurde deshalb als Treff gewählt) für ein lokales Bier entschieden. „Bandit Brown“ für die Jungs, „Honey Girl“ für die Mädels. Etwas Passenderes hätten wir nicht finden können.
Wir haben den ganzen Nachmittag und Abend dort verbracht und sind sicherheitshalber zum Hotel zurückgelaufen. Das war ein wirklich schöner Tag mit viel zu Erzählen!

Redakteur

Kommentare (0)

Kommentieren


18. Juli 2018, 01:31

Sa. 14.7. - 76. Tag: Hitzefrei

Wir sind noch einen Tag in Kennewick geblieben in der Hoffnung, dass es hier Sehenswertes gibt.
Allerdings gibt es hier nichts zu begucken und es ist außerdem sehr sehr heiß.

Wir haben den Tag dazu genutzt Petras Reifen zu flicken, Fotos zu sortieren, die restliche Strecke zu planen, das Wimbledon-Frauen-Finale zu gucken, im Pool schwimmen zu gehen und uns von den 2 anstrengenden Tagen davor und Erkältung zu erholen

Redakteur

Kommentare (0)

Kommentieren


18. Juli 2018, 01:30

Fr. 13.7. - 75. Tag: Einmal musste es uns ja erwischen

Dayton, WA nach Kennewick, WA: 110 km

Zum Glück sind wir um 5 Uhr bei Sonnenaufgang losgefahren, denn es war sehr erträglich von der Temperatur und wir kamen gut voran. Es war eine wunderschöne Fahrt, auf der wir zunächst mal ein Reh aufgescheucht haben (natürlich nicht absichtlich), welches erschrocken die Flucht ergriff.
Die Strecke heute hatte ein einfaches Profil. Zwar ein bisschen rauf und runter, aber keine Anstiege wie am Vortag. Wir erwarteten also mal einen einfachen Trip. Aber dann, es war gerade mal kurz nach 6 Uhr und wir sind schon 25 Kilometer weit gekommen, ist es passiert... Petras Hinterreifen verlor auf einmal immer mehr Luft. Also anhalten, Reparatur-Tasche ausräumen und ran ans Werk.
Im Mantel innen war keine Spitze zu ertasten. Also haben wir nur den Schlauch gewechselt, aufgepumpt und sind weiter gefahren. Der Reifenwechsel war nicht ganz so schnell wie bei Ferrari in der Formel 1. Er hat ca. 20 min gedauert.
Bei der weiteren Fahrt hatten wir fast nur noch den Hinterreifen im Auge. Hoffentlich war es mit dem Schlauchwechsel getan. Doch der erfahrene Fahrradfahrer ahnt es schon. Der Schaden war natürlich nicht behoben und nach ca. 10 km war der Reifen wieder platt. Was tun?
Entweder eine gründliche Reparatur vornehmen, die vermutlich lange dauern würde, oder immer wieder anhalten und nachpumpen und versuchen sich so bis nach Kennewick durchzuschlagen.
Wir haben uns für die Pump-Variante entschieden, weil wir hofften damit schneller zu sein und nicht in die Mittagshitze zu kommen.
Nachpumpen hieß damit aber jedesmal alle Taschen hinten runter, pumpen und alles wieder drauf und dann so schnell wie möglich fahren, damit wir nicht noch mehr pumpen müssen. Abgesehen von diesen „Zwangspausen“ haben wir keine Pause gemacht.
So haben wir es dann auch tatsächlich bis Kennewick und zum Hotel geschafft.

Die Fahrt führte uns durch eine landwirtschaftlich genutzte Umgebung. Zuerst waren es riesige Weizen- und Maisfelder. Die Maisfelder waren rund, damit die Bewässerungsanlagen im Kreis fahren und das ganze Feld berieseln können. Und dann kam (man glaubt es kaum) Wein. Nicht so schön gepflegt Weinfelder, wie man sie aus Frankreich kennt, aber es waren riesige, und damit meinen wir wirklich riesige, Weinfelder.
Darüber hinaus gab es auch sehr, sehr große Apfelplantagen. Grün war es auf der heutigen Strecke auch nur dort, wo immer fleißig gewässert wurde, sei es auf den Feldern, Plantagen oder in privaten Gärten. Wasser scheint hier nicht sehr teuer zu sein.

Kurz vor Kennewick sind wir dann wieder auf die US-12 gewechselt, die hier auch als Autobahn I-182 fungiert. Also viel Verkehr sowie Abfahrten und Zufahrten, die wir queren mussten und die nicht ungefährlich für Radfahrer sind - wir sind aber auch immer die einzigen Radfahrer! Hat nicht soviel Spaß gemacht. Aber wir sind mit dicken Beinen beim Hotel angekommen, haben das Zimmer bezogen und uns erst einmal abgekühlt. Die Reifenreparatur kann bis Morgen warten, da wir noch einen Tag in Kennewick bleiben wollen.
Nachmittags hat das Thermometer tatsächlich 41° C erreicht.

Redakteur

Kommentare (0)

Kommentieren


18. Juli 2018, 01:29

Do. 12.7. - 74. Tag: Hello Washington – unser letzter Bundesstaat in den US

Lewiston, ID nach Dayton, WA: 114 km

In unserem Hotel gab es erst ab 6.00 Uhr Frühstück, also musste mal wieder ein Jogurt und ein Sandwich , welches wir gestern gekauft haben, herhalten.
Um 4.30 Uhr klingelte der Wecker (um diese Zeit würden wir zu Hause nie aufstehen) und eine knappe Stunde später stiegen wir aufs Rad.
Wie schon den Tag zuvor fuhren wir über die Brücke von Lewiston nach Clarkston und haben damit Idaho verlassen und sind nach Washington gekommen.
Die Strecke verlief ca. 20 Kilometer am Snake River entlang und weil wir so früh waren, war auch fast kein Auto unterwegs. Am Fluss haben wir noch ein Bild für Pat gemacht, den wir in Helena getroffen haben, weil er am Snake River wohnt.
Irgendwann wollte der Fluss nach Norden, wir wollten aber nach Westen, daher mussten wir uns verabschieden.
Und jetzt ging es los! Wir hatte einen Anstieg zu bewältigen, der es echt in sich hatte und wogegen der Lolo Pass ein Kinderspiel war. Die Hitze setzte uns zu, obwohl es noch sehr früh am Morgen war. Bereits um kurz nach 8.00 Uhr waren wir schweißgebadet.
Unterwegs sahen wir natürlich keine Menschenseele, dafür jede Menge Hügel, die mit Gras bewachsen waren und Vögel, die ihre Nester in Felswände bauten. Für die Schönheit der Landschaft hatten wir aber nur eingeschränkt Augen, weil es einfach sehr anstrengend war.
Aber irgendwann (nach 17 Kilometern Anstieg) waren auch wir oben am „Alpowa Summit“. Dort erwartete uns eine Ebene mit Weizenfeldern. Auf einem Parkplatz, auf dem die Trucker vor der Abfahrt ihre Bremsen checken sollten (was natürlich keiner getan hat), machten wir eine kleine Pause. Petra hat sich kurz mit einer Truckerin unterhalten. Diese und ihr Mann sind immer „on the road“ und sie stieg wieder in ihren Truck zum Weiterfahren. Aber dann stieg sie mit ihrem Mann noch einmal aus. Der Trucker wollte uns vor dem Ort „Hanford“ warnen. Dies sei ein schlechter Ort, weil dort in den 40-60er Jahren Plutonium hergestellt worden ist und auch radioaktiver Abfall in die Umfeld gelangt sei. Wir sollten den Ort meiden und dort auch kein Wasser trinken, weil die Leute, die dort leben krank werden. Sehr nett von den beiden, dass sie uns warnen wollten. Wir werden nicht nach Hanford fahren.

Nach unser Pause kam eine etwa 5 Kilometer lange Abfahrt, die war klasse und die Fahrt in den nächsten Ort (Pomeroy) war angenehm. Dort waren wir ca. um 10.00 Uhr und hatten die Hälfte der heutigen Etappe geschafft.
Jetzt kamen deutlich mehr Felder, die teilweise sogar schon abgeerntet waren oder wo die Farmer gerade dabei waren. Auf der ganzen Strecke kein Schatten. Es war sehr heiß und nach etwa 70 gefahrenen Kilometern kam eine Scheune, an der ein etwa ein Meter breiter Schattenstreifen war, in den wir uns stellen konnten.
Zum guten Schluss der Tour kam dann noch ein sehr heftiger 12-Kilometer-Anstieg. Um ca. 11.30 fing die Straße aufgrund der Hitze vor unseren Augen an zu flimmern und wir waren schon sehr fertig. Aber dieser Part wollte auch noch gefahren werden und hätten wir es nicht getan, hätten wir auch den Kojoten auf einem Hügel nicht gesehen.
Als wir nach Dayton kamen, sind wir zunächst an eine Tankstelle gefahren, um etwas Kaltes zu trinken. Das Wasser auf dem Fahrrad hatte bereits Teetemperatur und war nur in ganz kleinen Schlucken zu genießen.
Unser Motel war dann auch nicht mehr weit und der Motelbesitzer wollte uns gerne in ein Gespräch verwickeln, wofür uns aber nach dieser anstrengenden Etappe der Sinn fehlte. Unser Gespräch dauerte daher nur 10 Minuten.
Nach Bezug unseren Zimmers haben wir uns erschöpft aufs Bett fallen lassen und für eine Stunde die Augen zu gemacht.
Morgen geht es früh weiter.

Redakteur

Kommentare (0)

Kommentieren


18. Juli 2018, 01:28

Mi. 11.7. - 73. Tag: Einmal Washington und zurück

Heute sind wir noch einen Tag in Lewiston geblieben und wollten die Stadt erkunden.
Aber viele Attraktionen hat Lewiston nicht zu bieten; genau genommen gar keine!
Im Westen der Stadt gibt es eine Brücke über den Snake River, der die Grenze zum nächsten Bundesstaat Washington ist. Dort sind wir in die nächste Stadt (Clarkston, WA) rüber gefahren, die wir morgen auf dem langen Weg nach Dayton auch passieren werden.
Nachdem wir uns schon einmal an die Luft in Washington gewöhnt haben, sind wir wieder zurück nach Lewiston, ID und sind die Main Street entlang gegangen. Sehr schöne alte Gebäude im historischen Stadtkern, aber ansonsten ist hier doch ziemlich tote Hose. Auch der Kaffee im Mystic Cafe war nicht umwerfend, so dass wir dann wieder in das Hotel gefahren sind und uns für den nächsten Tag ausgeruht haben. Petra hat eine ordentliche Erkältung und so war dieser
Ausflug auch genug.

Morgen geht es über 110 km bei 35-40 °C über den US-12 Highway nach Dayton, WA. Wir wollen schon um 5:30 Uhr losfahren, um die Morgenfrische auszunutzen. Nach ca. 50 km ist in Pomeroy die einzige Verpflegungsmöglichkeit.

@Gerd K.:
Wir sind heute bei unserer Fahrt durch Lewiston doch sehr zusammengezuckt, als jemand „Hey“ über die Straße rief. Da aber kein Eiscafé in der Nähe war, hat sich das schnell als Fehlalarm entpuppt. Dein Kommentar hat uns doch etwas nervös gemacht. Wir rechnen ständig damit, dass Du uns wieder irgendwo auflauerst. Viele Grüße an die Familie in Lintorf und bis bald!
Petra & Norbert

@Gisela:
Ja, „Shoulder“ = Seitenstreifen.
Hier kann man die Räder ohne Probleme mit auf das Zimmer nehmen. Am Anfang haben wir immer noch gefragt, aber mittlerweile gehen wir direkt durch die Lobby mit den bepackten Rädern zum Zimmer. Der ein oder andere hat gefragt, ob wir den Seiteneingang nehmen und einmal sollten wir irgendetwas unter die Räder legen. Ansonsten gibt es keine Auflagen. Sogar als wir in Missoula im Regen mit klatschnassen Rädern im Motel ankamen, haben wir sie sofort ohne Probleme mitgenommen.

Redakteur

Kommentare (0)

Kommentieren


11. Juli 2018, 05:03

Di. 10.7. - 72. Tag: Durch das Nez Perce Reservat

Orofino, ID nach Lewiston, ID: 78 km

Wie gestern sind wir wegen der angekündigten Hitze wieder früh losgefahren.
Die US-12 hatte zunächst wieder keinen Shoulder und auf der Strecke sind regelmäßig Trucks mit Baumstämmen an uns vorbeigerast. Das war sehr ungemütlich.
Hin und wieder wurden wir von einer Wolke von Schwalben attackiert. Sie hatten ihre Nester in Felswände über der Straße gebaut und meinten die Eindringlinge auf Fahrrädern vertreiben zu müssen. Wir haben ihnen den Gefallen getan und sind weitergefahren.
Bemerkenswert waren auch die ersten Weinfelder, die wir nach ca. 40 km gesehen haben. Es waren kleine Parzellen und später im Supermarkt war auch kein Wein aus der Gegend zu finden. Die großen Weingebiete am Columbia und Yakima River kommen noch.
Da wir durch das Reservat der Nez Perce Indianer gefahren sind, sind wir nach 50 km noch einen Schlenker über den Clearwater River zum Visitor Center des Nez Perce National Historic Park gefahren. Dort haben wir uns einen Film und die Ausstellung zu den Nez Perce Indianern angeschaut. Dieser Stamm ist durch die Unterstützung der Lewis-Clark-Expedition und später durch eine lange Flucht vor der US-Kavallerie in Richtung Kanada bekannt geworden.
Dann waren es noch einmal 20 km und wir waren am Ziel in Lewiston.
Jetzt wissen wir auch, warum die ganzen Trucks mit Holz an uns vorbei gefahren sind. Am Stadteingang war eine große Papierfabrik, die mit dem Holz beliefert worden ist.
Lewiston hat ca. 30.000 Einwohner, aber das, was wir heute von Lewiston gesehen haben, war nicht schön. Morgen werden wir noch einen Tag hier bleiben und Lewiston erkunden.


10. Juli 2018, 05:14

Mo. 9.7. - 71. Tag: Weißkopf-Adler über dem Clearwater River

Kooskia, ID nach Orofino, ID: 51 km

Die Wetter-App sagte bis zu 40 °C für die nächsten Tage voraus.
Deshalb wollten wir die morgendliche Kühle nutzen und sind früh um 6 Uhr aufgestanden, haben schnell gepackt und an der Tanke gegenüber noch einen kleinen (nicht sehr schmackhaften) Snack eingeworfen. Aber man braucht halt Kohlenhydrate.
Die Strecke ging wieder über die US-12 am Fluss entlang, der jetzt nach dem Zusammenfluss von Lochsa River und Selway River Clearwater River heißt. Er ist auch mittlerweile breiter und ruhiger geworden. Der Highway hatte keinen „Shoulder“, aber der Verkehrt war zum Glück nicht so stark.
An einer Stelle hat Petra ein Paar Weißkopf-Adler am anderen Flussufer entdeckt, die majestätisch über den Fluss flogen und dann in den Bäumen saßen. Wir haben sie mit dem Fernglas sehr gut sehen können und freuen uns, dass wir sie einmal live beobachten konnten. GIGANTISCH !!!
Ansonsten war die Strecke (fast) eben mit schöner Landschaften, die sich auch immer wieder leicht änderte. Wir kamen schon um 10:15 Uhr am Ziel in Orofino (3.100 Einwohner) an.
Das Zimmer war zum Glück schon fertig und wir konnten darin erst einmal etwas abkühlen und uns erholen.
Dann ein Besuch in der Stadt, womit wir schnell fertig waren. Die Innenstädte in dieser ländlichen Gegend sind weder groß noch besonders schön.
In der Tanke haben wir uns für das Frühstück morgen und mit ausreichend Wasser für den heißen nächsten Tag eingedeckt. Heute Nachmittag waren es 37°C und es soll noch heißer werden.
Wir wollen wieder sehr früh losfahren. Morgen geht es nach Lewiston, wo wir auch noch einen Tag bleiben werden.


@Gisela:
Leider geht die Reise aber langsam zu Ende. Es sind noch 9 Tagesreisen bis Seattle und dann sind wir am Ziel und auch bald wieder zu Hause, worauf wir uns auch schon sehr freuen.

Redakteur

Kommentare (0)

Kommentieren


09. Juli 2018, 04:33

So. 8.7. - 70. Tag: Entlang des Lochsa Rivers

Wilderness Gateway Campground, ID nach Kooskia, ID: 81 km

Gestern Abend standen wir noch vor einer schwierigen Frage: Bären oder keine Bären?
Wir haben einen Camper, der regelmäßig auf diesem Campground ist, nach Bären gefragt. Er meinte, dass er mal einen Bären gesehen hätte, aber derzeit kommen sie wohl nicht her. Gut, der Mann liegt ja nachts in seinem riesigen und gut abgeschirmten Wohnmobil (die Wohnmobile sind hier doppelt so groß wie in Deutschland). Da kann man auch mal einen Bärenbesuch übersehen.
Am Aushang des Campgrounds war aber ein Schild angebracht mit dem Hinweis, dass kürzlich ein Bär gesehen worden ist. Also Abfälle in die gesicherten Müll-Container und alles was für Bären gut riecht aus dem Zelt entfernen (das beinhaltet nicht nur Essen, sondern auch Zahnpasta und Kosmetika). Hm, dieses Schild bringt die Verwaltung vermutlich aus Versicherungs-Gründen immer an.
Durch die widersprüchlichen Aussagen verunsichert, hatten wir dann doch ein bisschen Bammel wegen eines nächtlichen Bären-Besuchs. Die Taschen mit Essen, Cremes und sonstigen Toilettenartikeln haben wir weit weg gestellt. Heute Morgen war aber alles o.k. Es war natürlich kein Bär da.
Da es sich nachts doch sehr abgekühlt hatte, war das Außenzelt durch den Tau nass. Beim Abbau also wieder das trockene Innenzelt separat einpacken und das nasse Außenzelt in eine andere Tüte.
Dann Frühstück (die mitgebrachten Riesen-Blaubeermuffins) gegessen und ab aufs Rad, immer am Lochsa River entlang.
Die wunderschöne Szenerie des Vortags setzte sich fort. Nur der Fluss wurde durch die vielen kleinen Zuflüsse aus den kleinen Seitentälern langsam breiter und ruhiger. Die kleinen Zuflüsse, die auch schon mal als Wasserfall im Lochsa River endeten, hatten so Namen wie Bee Creek, Canyon Creek, Pete King Creek und Smith Creek.
Die Strecke ging im Wesentlichen parallel zum Fluss immer leicht bergab, sodass die 81 km heute schön zu radeln waren. Wir haben jetzt die Bitterroot-Bergkette mit ca. 150-160 km Länge überquert und sind von sind mittlerweile nur noch auf 390m Höhe.
An einigen Stellen wurde der Fluss wieder enger und damit auch schneller und wir hörten das Wasserrauschen. Manchmal fuhren wir an einer Felswand vorbei und wir hörten durch ein Echo das Rauschen des Flusses von beiden Seiten. Sitzt man im Auto, kriegt man so etwas nicht mit! Die Felsen glitzerten teilweise in der Mittagssonne, als ob jemand ein Fass mit Goldstücken darüber geschüttet hätte – einfach toll.
Aufpassen mussten wir auf der Strecke allerdings auch, lagen doch immer wieder abgerutschte Felsstücke auf der Straße und insbesondere auf dem schmalen Seitenstreifen (den wir aber nur für etwa 20 km hatten).

Nach 40 km Einsamkeit tauchten auf einmal die Häuser von Lowell (23 Einwohner) auf. Wenn man nach zwei Tagen auf einmal wieder Häuser sieht, denkt man gleich, man ist wieder in der Zivilisation angekommen. Hier haben wir dann eine Mittagspause eingelegt. Es gab 2 Spiegeleier mit „Hashbrowns“ (die amerikanische Rösti-Version) und Toast.
Die Landschaft änderte sich auch wieder, durch die Breite des Tales kamen sogar zwei kleine Farmen. An 4 Stellen gab es große Kabinenseilwinden, die einige Häuser auf der andere Flussseite mit der Zivilisation verbanden.

Die letzten 40 km haben wir dann trotz der Hitze (35-40°C) ganz gut hingekriegt und wir waren schon um 14.00 Uhr an unserem Tagesziel.
Da wir dass Motel in Kooskia nicht online buchen konnten, mussten wir dort direkt vor Ort unser Glück versuchen. Dann war uns auch klar, warum das Motel nicht über die üblichen Portale zu buchen ist. Es gehört nicht zu den vornehmeren Adressen und hätte in den Portalen auch die entsprechenden Bewertungen bekommen. Aber unkompliziert ist es. Durch ein Telefon an der Hauswand konnten wir jemanden erreichen und wir durften obwohl noch keiner da war ins Zimmer – der Schlüssel lag unter der Matte.
Kooskia hat ca. 600 Einwohner, einen Supermarkt, ein paar Diner und eine Tanke.
Also alles, was ein Radler benötigt.

PS:
Seit Tagen folgen wir wieder der Route der Lewis/Clark-Expedition, die in Three Forks den Missouri verlassen hat und auf dem Landweg über Helena, Missoula, Lolo und Kooskia die Berg-Ketten überquert hat. Dauernd trifft man am Straßenrand auf „Historical Marker“. Dies sind Stellen, wo die Expedition vor mehr als 200 Jahren z.B. eine Nacht gelagert hat.

Redakteur

Kommentare (0)

Kommentieren


09. Juli 2018, 04:29

Sa. 7.7. - 69. Tag: Hello Idaho

Lolo Hot Springs, MT – Wilderness Gateway Campground, ID: 100 km

Für heute standen der 12,5 km Anstieg bis zum Lolo Pass (ca. 1.800 m) und dann noch ca.85 km bis zum Wilderness Gateway Campground an. Alles auf der US-12.

Da es das Frühstück in der Lodge erst um 8 Uhr gab, sind wir erst spät auf die Straße gekommen. Der Anstieg fiel uns nicht schwer. Wir sind in halt gemächlich mit kleinem Gang hochgekurbelt.
Oben auf der Passhöhe wurden wir mit einem „Welcome in Idaho“-Schild begrüßt und uns wurde für den Tag eine Stunde geschenkt, da sich mit dem Pass auch die Zeitzone änderte. Wir sind jetzt nicht mehr in der „Mountain Time“ (MT, Ratingen-8), sondern in der „Pacific Time“ (PT, Ratingen-9). In dem kleinen Visitor Center haben wir eine kurze Rast gemacht und uns mit einem radelnden Engländer unterhalten.
Nach dem Pass ging es zunächst rasant bis zum Talboden hinunter. Die Aussicht von oben in die tiefen Täler und Schluchten war toll. Wir mussten ziemlich bremsen, das Gefälle war sehr stark und seit wir in Idaho sind, sind die Straßen schlechter (Löcher, Splitt, kein Seitenstreifen und viele Unebenheiten). Dann ging es mit leichtem Gefälle traumhaft schön immer am Lochsa River entlang. Der Fluss mit seinen vielen Felsbrocken windet sich mit Schleifen durch das enge Tal. Die Berge ringsherum sind hoch und alle mit Zedern und Pinien bewachsen. Und das bei wolkenlosem Himmel und 35-40°C. Um uns herum flogen auch wieder zahllose Schmetterlinge von klein bis fast handtellergroß. 3 Rehe haben wir auch entdeckt, aber mehr waren nicht zu sehen, der Wald war teilweise so dicht, dass man nur 2 Meter hineinsehen konnte.
An der Lochsa Lodge (16 km nach dem Pass) haben wir eine verfrühte Mittagspause gemacht. Aber
Also: Spät los, langsam den Pass hoch, nach etwas über 30 km schon Mittagspause.
es kam auf der Strecke keine weitere Versorgungsmöglichkeit mehr.
Nach einigen Kilometern kamen wir an den „Old Cedar Forest“. Dies ist ein Waldstück, in dem uralte, sehr große Zedern mit einem unglaublich Stammesumfang stehen. Die waren sehr beeindruckend.
Die folgenden ca. 55 km haben sich dann noch lange hingezogen (insbesondere da wir nach der Pause wieder Gegenwind hatten) und wir sind erst gegen 16 Uhr PT am Campground eingetroffen. Wir hatten einen Platz gebucht, mussten aber feststellen, dass die Plätze für die großen amerikanischen Wohnmobile gemacht sind und aus einer asphaltierten Fläche bestehen. Daher haben wir uns einen schönen Platz mit weichem Rasen ausgesucht. Und der war vor einem Toiletten-Häuschen. Der Campingplatz ist ziemlich leer und wir hoffen, dass wir trotzdem eine ruhige Nacht verbringen.

<< Zurück Seite 2 von 10