Ride Wild West
Unsere Fahrrad-Reise von New York nach Seattle

 


07. Juli 2018, 04:38

Fr. 6.7. - 68. Tag: Good bye Montana

Da die Strecke heute nicht ganz so lang war, haben wir uns schon heute morgen Zeit gelassen und sind erst so kurz vor 8 Uhr los. Die Sonne schien und man konnte direkt im Shirt losfahren.
Es gab einen guten Radweg, der parallel der Straße verlief. Als wir gerade aus Missoula raus waren, kamen wir an einem brachliegenden Feld/Wiese vorbei, auf der sich einige Truthähne tummelten. Außerdem hörten wir pfeifende Geräusche (vogelähnlich), die wir zunächst nicht zuordnen konnten. Doch dann sahen wir etliche kleine Säugetiere (keinen Ahnung welche), die sich wohl untereinander vor den Radfahrern warnen wollten. Kurz darauf mussten wir die Straßenseite wechseln und haben Stuart, einen Australier (57, im Ruhestand, super-fit) getroffen, mit dem wir dann die nächsten 50 Kilometer zusammen gefahren sind und uns prima unterhalten haben.
Auf dem Weg nach Lolo haben wir eine große Schlange entdeckt und kurz hinter einer Kurve eine große Bisonherde. Damit hatten wir hier gar nicht mehr gerechnet. Aber es war wieder toll, diese imposanten Tiere zu beobachten.
Kurz hinter dem Örtchen Lolo hörte der Radweg auf. Wir mussten nach Westen in Richtung Lolo Pass abbiegen und wieder auf dem Highway 12 fahren. Das war aber nicht weiter schlimm, der Verkehr war sehr gering und wir konnten nebeneinander fahren und uns unterhalten.
Über den Lolo Pass überquert man die Bitterroot-Kette.
Wir sind heute 54 km bergauf gefahren, aber nur leicht ansteigend, das war gut schaffbar und mittlerweile sind wir auch etwas trainierter. Das Tal, das wir durchfuhren wurde immer schmaler und ab und zu ließen sich Rehe („Moose“) sehen, obwohl es schon Vormittag war. Auf einigen Hügeln standen nur noch verkohlte Baumstümpfe; hier hat wohl mal wieder ein Feuer ganze Arbeit geleistet. Das Tal wurde noch schmaler, immer neben uns, ein kleiner Fluss. Es wurde aber auch wieder grüner. Der Wald auf den Hügeln erinnerte uns wieder stark an den Schwarzwald und die Straße machte jetzt auch viele Bögen.
Nach etwas über 40 Kilometern haben wir eine kleine Pause auf einer Brücke eingelegt. Nach kurzer Zeit kamen noch 2 Radfahrerinnen und wir hielten ein kleines Schwätzchen. Es waren zwei junge Mädels, die Stuart auf seinem Weg auch schon 3 mal getroffen hat.
Jetzt waren es nur noch ca. 10 Kilometer bis zur Lodge und auch heute gab es ab Mittag wieder etwas Wind. Die Zeit bis zur Lodge verging wie im Flug und hier mussten wir uns von Steward verabschieden, er wollte noch weiter.
Leider konnten wir (weil wir zu früh waren) noch nicht unser Zimmer beziehen, daher sind wir in der Bar etwas Essen gegangen. Das dauerte so lange („der Koch war neu!“), dass wir dabei das komplette Fußballspiel Brasilien gegen Belgien (1:2) gesehen haben.
Vor dem Fenster der Bar hing ein Behälter mit Nektar und dorthin sind andauernd Kolibris geflogen. Auch das war sehr unterhaltsam und schön.
Nach dem Bezug unseres wirklich sehr tollen Zimmers sind wir in das „Hot Spring“-Becken der Lodge gegangen. Die Außentemperatur liegt zwar heute auch bei 34°C, aber das wollten wir uns trotzdem nicht nehmen lassen, da das Becken durch eine Quelle gespeist wird und das auch unseren noch sehr verspannten, schmerzenden Schultern gut tut.
Gleich werden wir noch die Umgebung erkunden, vielleicht sehen wir ja noch das ein oder andere.

Der nächste Abschnitt ist unter starkem Alkohol-Einfluss geschrieben. Verzeiht bitte etwaige inhaltliche Ungehnauigkeiten. Wir waren noch in der Bar zum Abendessen und haben noch ein paar Bier getrunken. Dann kamen wir mit dem Nachbartisch ins Gespräch und wir haben noch ein paar Bier ausegegeben bekommen. Wie wir später erfahren haben, hattte das Bier 8%. Es hat also seine Wirkung getan und wir sind gespannt, wie sich das auf den nächsten Tag und den Pass und die 95 km auswirkt.

Redakteur

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06. Juli 2018, 05:58

Do. 5.7. - 67. Tag: 2 Tage an einem Ort = Urlaub

Wir sind noch einen Tag in Missoula geblieben, da uns der Ort gefällt und wir noch etwas Zeit haben bis wir in 10 Tagen Vio und Peter in Prosser, WA treffen.

D.h. länger schlafen und dann zum Frühstück. Dort hat uns ein Tischnachbar gefragt, woher wir kommen. Als wir dann von der Fahrt erzählt haben, wurden wir der gesamten, zahlreichen und anwesenden Familie vorgestellt. Es gab einige Fragen und zum Schluss wurde Petra von der vermutlich über 80-jährigen Schwägerin mit einem „Can I give you a hug?“ und „bless you“ gedrückt.

Danach sind wir nach Missoula Downtown gefahren, sind durch Geschäfte gebummelt und haben das Post Office gesucht („only 3 blocks“).

Einen Mittags-Snack haben wir im mediterranen "Caffe Dolce" (http://caffedolce.com/caffe-dolce-at-500-brooks/) gegessen.

Auf der Fahrt zum Motel sind uns zum wiederholten Mal „Drive-Thru-Kaffeebuden“ aufgefallen.
Das sind kleine Häuschen auf einem großen Parkplatz, mit einer Zufahrt auf der einen und einer Abfahrt auf der anderen Seite. Hier wird Kaffee im Vorbeifahren verkauft. Echt witzig. (siehe Fotos)

Es ist das erste Mal, dass wir 2 Tage an einem Ort geblieben sind. Es fühlt sich schon anders an, wenn man merkt, dass man sich ein bisschen auskennt und bei den Strecken in der Stadt nicht lange überlegen muss.
Aber ab Morgen werden wir wieder in weniger belebten Gegenden radeln.
Es geht zum 1.595 m hohen Lolo Pass, der nicht nur die Grenze zwischen Montana und Idaho, sondern auch eine Zeitzonen-Grenze (Mountain Time→Pacific Time) ist.
Wir haben 10 km vor dem Pass eine Lodge gebucht, wo wir die Nacht von Freitag auf Samstag verbringen. Für die nächste Nacht (Sa.→So.) haben wir nur den Wilderness Gateway Campingplatz gefunden. Erst am Sonntag-Abend haben wir hoffentlich wieder ein Motel in Kooskia, ID. Das konnten wir nicht Online buchen. Mal sehen, ob wir dort einen Platz bekommen..
Es kann also sein, dass wir erst am Sonntag (vielleicht aber auch erst am Montag) wieder Internet-Zugang haben und Berichte und Fotos einstellen können.

Redakteur

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05. Juli 2018, 08:10

Mi. 4.7. - 66. Tag: Independence Day

Nach ausschlafen, frühstücken und skypen sind wir mittags zum Fort Missoula gefahren. Hier wurde ein Volksfest organisiert. Handwerkliche Artikel, Essen aus Food-Trucks und Maschinen aus früheren Zeiten wurden angeboten und gezeigt.
Die alten Dampf-Maschinen waren wirklich toll und funktionierten zumeist auch noch. Solche Fahrzeuge und Motoren haben wir in Deutschland noch nicht gesehen (siehe Fotos). Hier haben wir uns 2-3 Stunden aufgehalten. Leider gab es nirgendwo eine richtige Parade.
Danach sind wir noch nach Missoula-Downtown gefahren und haben uns in ein Café gesetzt und einen Kaffee getrunken. Als wir das saßen, kam ein Fahrrad-Polizist und schloss sein Fahrrad natürlich stilecht mit Handschellen an einen Fahrradständer an. Dann ging er in das Café und machte seine wohlverdiente Pause. Petra hat ihn nach dem abendlichen Feuerwerk gefragt und er sagte uns dann, wo wir hin müssen. Nach einem Kaffee sind wir dann wieder in Richtung Hotel gefahren.
Das Feuerwerk war bei uns in der Nähe. Gegen 21 Uhr sind wir zu dem Platz aufgebrochen. Es war eine Bühne aufgebaut, auf dem ein Orchester spielte und dazu eine Sängerin als Begleitung. Das Repertoire bestand hauptsächlich aus patriotischen Liedern wie „Stars and Stripes forever“. Der Platz war voll mit Menschen, die sich ihre Stühle und weitere Dinge wie Decken, Getränke und Essen mitgebracht hatten.
Als es dann dunkel wurde, ging das Feuerwerk los. Es dauerte bestimmt 25-30 min. und war echt toll. Der Rückweg war aufgrund des starken Verkehrs wegen des Feuerwerks abenteuerlich, gefährlicher als auf der Interstate.

Redakteur

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04. Juli 2018, 06:32

Di. 3.7. - 65. Tag: Im Mekka der Tourenradler

Drummond, MT - Missoula: 88 km

Nach unseren Wind-Erfahrungen vom Vortag war der Plan, früh aufzustehen, an der Tankstelle nebenan schnell etwas zu essen und dann loszufahren, um während der Windstille, die erfahrungsgemäß morgens herrscht, schon möglichst viele Kilometer zu schaffen. Wir wurden von frischen 5°C überrascht und haben so die sexy schwarzen Beinlinge und die warmen Handschuhe aus den Tiefen der Packtasche heraus gefischt.
Es war tatsächlich windstill und 40 Kilometer konnten wir zügig radeln. Einen kleinen Schrecken haben wir gleich am Anfang auf der Interstate 90/Highway 12 erhalten, als am Straßenrand das Schild „Workwork ahead, next 16 Miles“ auftauchte. Schnell stellten wir fest, dass da wohl jemand vergessen hat, das Schild wieder zu entfernen. Die Arbeiten waren - Gott sei Dank - schon abgeschlossen.

Wir sind an kleinen grasbewachsenen Hügeln vorbeigefahren, die aussahen als hätte jemand Falten hinein geschlagen. Dann kamen mal wieder kleine Berge, die mit Bäumen bewachsen waren. Wir haben den „Clark Fork River“ überquert, der uns eine ganze Weile auf unserer heutigen Tour begleitete. Der kleine Fluss schlängelte sich mal sanft an den Hügel entlang durch grünes Gras, dann wieder verlief er gleich parallel der Straße.
Nach wir vor war es kalt und die Sonne wollte sich nicht zeigen. Die Strecke war trotzdem schön und unterhaltsam, da sie sich ständig änderte. Wir fuhren zwischen hohen, roten Felsen durch, es war schmal und eng und gleich dahinter öffnete sich ein weites Tal. Hin und wieder gab es eine Farm auf der verschieden Tiere zu sehen waren, u.a. eine riesengroße Herde Longhorns aller Altersstufen, einige Lamas, Mulis, Ziegen, Kühe und natürlich auch Pferde.
Nach einer Muffin-Pause ging es dann auf die 2. Hälfte der heutigen Etappe und endlich kam die Sonne raus. Kurz vor Missoula legte der Wind dann auch erwartungsgemäß zu, aber es war absolut kein Vergleich zu gestern. In der Ferne wurde der Himmel grauer und es sah sehr nach Regen aus.

Dass man sich einer Stadt nähert merkt man auch daran, dass ca. 10-15 Kilometer vorher kleine Siedlungen zu finden sind, die in den Einzugsbereich der Stadt gehören. Wir kamen dann auch gut bis Missoula durch und sind östlich in die Stadt rein gefahren und haben ein äußerst schickes Wohngebiet durchquert.
Missoula ist die Hauptstadt der Tourenradler in den US. Denn hier hat der amerikanische Radfahr-Vereinigung ACA (Adventure Cycling Association) seine Geschäftsstelle. Wir sind ½ Jahr vor der Tour Mitglied geworden, um an Informationen zu unserer Reise zu gelangen. Daher haben wir der Geschäftsstelle auch einen Besuch abgestattet. Man bat uns gleich hinein und Julie kümmerte sich sogleich um uns. Nach dem obligatorischen Foto für die Pinnwand zeigte sie uns die Geschäftsräume, wo die 42 Angestellten arbeiten. Es gab auch einen eigenen Raum für radelnde Besucher, wo es ein kostenloses Eis, Getränke und sonstige sinnvolle Angebote, wir Karten oder PC-Nutzung gab. Kurz nach uns kehrte noch David - ein Kanadier – ein. Er ist von Kanada über den Glacier Nationalpark nach Missoula gekommen und möchte dann weiter in den Yellowstone NP.
In der Zwischenzeit hatte es angefangen zu regnen. Wir sind dann trotzdem zum Hotel aufgebrochen, da es nicht mehr weit war. Zum ersten Mal auf der Tour sind wir so richtig nass geworden. Aber auch hier im Hotel zuckte niemand, als wir die nassen Räder mit in das Zimmer genommen haben.

Morgen ist 4th of July, „Independence Day“. In Missoula gibt es den ganzen Veranstaltungen, von denen wir einige besuchen wollen. Wir sind schon sehr gespannt.

@Winine:
Die Frage Ost-West oder umgekehrt war auch nicht einfach. Wie du schon sagst, ist die Wahrscheinlichkeit für Gegenwind bei Ost-West vermutlich größer. Wir hatten ca. 4 Tage extrem starken Gegenwind, der uns wirklich zermürbt hat. Ansonsten ging es. Bei ca. 55 Radeltagen ist das nicht so viel.
Im Osten konnten wir schon Ende April/Anfang Mai starten. Im Westen hätten wir wegen der hohen Pässe erst im Juni starten können und wären dann im Hochsommer in den Plains angekommen.
Ein anderer Aspekt war, dass wir die spektakulären Landschaften und die Parks in der 2. Hälfte der Tour haben wollten. Wenn man im Westen beginnt und den Yellowstone und die Badlands hinter sich hat, gibt es in den eher europäisch anmutenden Landschaften von Iowa, Wisconsin und Michigan vermutlich nicht mehr so viele „Oh- und Ah-Momente“.
Weiterhin wollten wir im „flacheren“ Osten (war aber eine Fehlannahme) auf den ersten 2.000 km ausreichend Kondition für die Berglandschaften der Rocky Mountains aufbauen.
Und letztendlich folgten wir so der Besiedlungsrichtung. Je westlicher wir kamen, desto mehr wurden die Geschichten von Trappern, Indianern, Grenzgängern, Siedlern, Eisenbahnbauten usw. dargestellt und hochgehalten.


03. Juli 2018, 04:45

Mo. 2.7. - 64. Tag: Der größte Feind eines Radfahrers….

….. ist der Gegenwind. Diese Erfahrung haben wir heute über 108 km gemacht.
Wir sind extra früh gestartet, da wieder starker Wind angesagt war. Allerdings sollte es morgens noch nicht so windig sein. Sollte. Wir waren noch in der Stadt, da blies uns schon der Wind schon um die Nase. So war nicht der Plan.
Was wir auch völlig übersehen hatten, war der McDonald Pass, dessen Anstieg etwa 20 Kilometer hinter Helena begann. Über 10 Kilometer ging es bergauf, Steigung 8%, 980 Höhenmeter. Im kleinsten Gang mit 6-7 km/h sind wir den Pass bis auf 1.924 m hinauf gekrochen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.
Oben lag sogar noch ein wenig Schnee und wir hatten eine tolle Aussicht ins Tal, auf Helena in der Ferne und die umliegenden Berge. Mit dem MacDonald Pass haben wir die Great Devide (kontinentale Wasserscheide) endgültig überquert. Nun sind wir auf der Seite der Rocky Mountains, dessen Wasser in den Pazifik nach Westen abfließt.
Die Abfahrt war etwa genauso lang wie der Aufstieg, allerdings durch Fahrt-, Gegenwind und die abwesende Sonne bitterkalt. Wir waren froh, als wir unten waren.
Auf der Strecke haben wir den „Ten Miles Creek“ und den „Little Bigfoot River“ überquert, letzteren sogar mehrfach, der kleine Fluss sollte uns längere Zeit begleiten.
Die Landschaft wechselte heute nicht so sehr, Berge, Hügel mal nur grasbewachsen, mal bewaldet. An einigen Stellen Kühe, Longhorns und auch Schafe. Wir hatten aber ehrlich gesagt heute für die Landschaft nicht viel übrig, weil der Wind immer stärker wurde und wir voll und ganz mit radeln und gegen den Wind ankämpfen beschäftigt waren. Eine Unterhaltung war auch nicht möglich. Man hat den anderen einfach nicht verstanden.
5 Stunden nach unserer Abfahrt haben wir die erste größere Pause gemacht. Bis hier waren wir schon 58 km gefahren. Wir haben uns eine gute halbe Stunde an einem Parkplatz aufgehalten und 10 Minuten nach unserem Eintreffen, hielt ein entgegenkommendes Fahrzeug mit einem Ehepaar mit Hund aus Colorado. Der Mann hat uns dort stehen sehen und hatte Lust auf eine Unterhaltung und so standen wir dort und haben Auskunft über unsere Reise gegeben und Infos über Colorado bekommen.
Nach 75 Kilometern Fahrt mussten wir vom Highway 12 auf die Interstate 90 (Autobahn) wechseln, weil das die einzige durchgehende Straße nach Drummond ist. Kurz vor der Auffahrt war ein winziger Laden an den wir eine weitere kleine Pause einlegen wollten Wir kauften lauwarmen Kaffee und einen verschimmelten Muffin. Den Muffin haben wir allerdings gegen einen zähen Riesencookie eingetauscht!
Die Autobahn war nicht sehr befahren. Es gab einen breiten Seitenstreifen und wir haben uns natürlich darauf ganz weit rechts nach vorne gekämpft. Hier auf der Interstate kam der Wind vielleicht für 5-6 Kilometer mal heftig von der Seite, statt von vorne. Das war aber auch nicht viel besser.
Die letzten 20 Kilometer waren schlimm und bedürfen keiner weiteren Erwähnung. Nach 10 Stunden unterwegs und 8h 21 min im Fahrradsattel waren wir am Ziel! Unterwegs hat Petra von ihrem aufblasbaren Sitzring geträumt.

Morgen werden wir dann über die I-90 nach Missoula fahren.

Redakteur

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02. Juli 2018, 06:44

So. 1.7. - 63. Tag: „Red Nose Day in Helena“ oder „Was ist ein Sunday Pitcher?“

Wir hatten heute noch einen Tag Aufenthalt in Helena und haben bis 8 Uhr ausgeschlafen.
In den letzten Motels waren das Frühstück karg. Heute war es noch karger. Aber wir sind belastbarer geworden.
Nach dem Frühstück haben wir ausgiebig mit Anka und Herbert geskypt und es war schön, ein paar Neuigkeiten aus der Heimat zu erhalten.
Danach haben wir uns Helena angesehen Zuerst sind wir zum „Capitol“ gefahren. Anscheinend hat jede Bundeshauptstadt ein Capitol. Es war ein tolles klassizistisches Gebäude, dass wir auch am Sonntag besichtigen durften (siehe Fotos).
Danach sind wir noch zur Kathedrale von Helena gefahren, die gleich in der Nähe war. Nun ja, Kathedrale war unseres Erachtens nicht ganz die richtige Bezeichnung. Sehr schöne, große Kirche mit 2 Türmen wäre schon passender gewesen (auch hier für die eigene Urteilsfindung: siehe Fotos).
Leider war keine einzige er vielen Türen offen und so blieb uns der Blick ins Innere verborgen.
Dann sind wir weiter durch die Stadt geradelt (natürlich wieder bergauf) auf dem Weg zum Park; dieser entpuppte sich als eine sehr hügelige, ungemähte Wiese oder eher als ein nicht betretbares Niemandsland. Wir haben gedreht und sind (bergrunter!) Richtung „downtown“ geradelt und haben eine Art Fußgängerzone gefunden. In einer Bar war es sehr laut und wir vermuteten, dass die Anfeuerungen einem WM-Spiel galten.
Richtig! Es wurde gerade das Elfmeter-Schiessen zwischen Kroatien und Dänemark übertragen. Aus unerfindlichen Gründen gab es hier eine Gruppe von kroatischen Fans, die lauthals ihre Mannschaft unterstützen. Wir sind dann dort eingekehrt und haben etwas zu Essen bestellt. Dazu zunächst einen Wein. „Aber es gibt auch einen „Sunday Pitcher beer for 10 $“ empfahl uns die Kellnerin. Nach dem Wein haben wir das dann auch probiert und bekamen einen Krug Bier in Blumenvasen-Größe. Das war also der „Sunday Pitcher“, das „Sonntags-Schnäppchen“!
Wir haben dann natürlich alles gegeben und auch den „Sunday Pitcher“ geleert.
Dass wir vorher den Wein und danach noch den „Sunday Pitcher“ getrunken hatten, machte die Heimfahrt zum Hotel nicht unbedingt einfacher, aber lustiger. So kamen wir nach mehrmaligem Verfahren trotzdem am Hotel an.
Wir hatten uns vorgenommen den Bericht für heute gleich zu schreiben und haben uns ein Plätzchen vor dem Motel gesucht. Wir kamen mit einem anderen Gast ins Gespräch und der Artikel musste warten. Der Mann stellte sich als Patrick vor und wir haben fast 1,5 h draußen gequatscht. Wir wollten dann aber doch noch etwas essen und haben uns verabschiedet. Patrick wohnte gleich gegenüber von uns. Ca. 5 Minuten später klopfte es und Patrick stand in der Tür. Wir haben ihn hineingebeten und er kam, um uns einen Rubin zu schenken, den er 1972 selbst in Burma gefunden hat. Das war total nett von ihm und wir haben uns sehr darüber gefreut. Wir haben dann noch weitere 2 Stunden erzählt und kommen daher erst zu später Stunde zu unserem Essen und zu dem Bericht.
Morgen stehen wir früh auf, der Weg nach Drummond wird lang und windig.

Redakteur

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01. Juli 2018, 05:43

Sa. 30.06. - 62. Tag: Easy going ….

von Three Forks, MT nach Helena, MT: 104 km

Heute morgen sind wir um kurz nach 8.00 Uhr nach einem Frühstück in der Montana Wheat Bakery (Sandwich und ein überaus leckerer “Blueberry-Muffin“) losgefahren. Es war mit ca. 10°C wieder recht frisch, aber ganz freundlich. Die Strecke verlief an grünen Wiesen und Feldern vorbei, ein sehr sanftes „rolling“, mal mit breiten Seitenstreifen, mal mit gar keinem.
Wir fühlten und großartig, hatten keinen Wind und es lief richtig gut. Einige Autofahrer fuhren zwar recht nah an uns vorbei, die meisten machten aber einen großen Bogen. Freuen tun wir uns nach wie vor über die Grüße der Autofahrer durch Zuwinken oder Hupen. Nett sind auch die entgegenkommenden Motorradfahrer, die sich manchmal dazu herablassen uns zu grüßen.
Wir sind an vielen Farmen vorbeigekommen, an vielen Kühen und Pferden und nach 2 Stunden Fahrtzeit hatten wir schon 43 km auf dem Tacho.
Eigentlich wollten wir nach 50 Kilometern in Townsend eine Mittagspause einlegen, aber als wir dort eintrafen, war es noch viel zu früh und wir hatten keinen Hunger. So haben wir an einer Tankstelle nur ein bisschen Obst besorgt – für den Notfall.
Die Strecke war weiterhin sehr schön, viel grün, viel Land und in einer Entfernung Hügel und kleinere Berge. Wir haben zwei mal den Missouri überquert, einige Autos mit Bootanhänger gesehen, weil der Missouri an einer Stelle sehr breit ist und fast wie ein See aussieht und sich vermutlich daher zum Bootfahren anbietet.
Entlang unserer Strecke verlief zum Teil auch die Bahnlinie und spaßeshalber haben wir einen stehenden Zug mit unserem Tacho „abgemessen“: sage und schreibe 2,5 Kilometer lang.
An einem „Point of Interest“ wurden wir informiert, dass in dieser Gegend Mitte des 19.Jhd. ein wahrer Goldrausch ausbrach und die Goldsucher insbesondere im „Gulch Creek“ fündig wurden. Ein paar Jahre später war das aber schon wieder vorüber und ein paar Glückliche sehr viel reicher.

Nach 60 Kilometern wurden die Beine etwas müde und etwas später mussten wir dann auch einen sehr langen Anstieg hoch, der sich locker über 5 Kilometer hinzog. Endlich oben und es war bereits gegen Mittag, frischte der Wind auf. Anfangs ging es noch, doch bei Kilometer 75 wurde es mühsam. Der Wind wurde immer schlimmer, zunächst nur aus WSW (wir fuhren nach Westen), nachher gab es Wind von vorn (wir haben nachgesehen, Windgeschwindigkeiten ca. 30-35 km/h). Wir kämpften uns mühsam weiter und mussten sogar an den Stellen, wo es mal einen Hügel hinab ging ordentlich in die Pedale treten, da uns der Wind sonst wieder den Hügel hinauf geblasen hätte. Wir haben die Erfahrung ja schon öfter gemacht, dass der Wind ab Mittag auffrischt, beziehungsweise schlimmer wird.
Als hätte der Lokführer des vorbeifahrenden Zuges gewusst, dass wir einen kleine Aufmunterung gebrauchen können, hat er mehrfach laut getutet, als er an uns vorbeifuhr. Wir haben begeistert zurück gewunken.
Mittlerweile brannten die Oberschenkel, die Schultern taten weh und die Füße schliefen immer wieder ein. Wir haben ein paar sehr kleine Pausen gemacht und unterwegs nur eine Hand voll „Trailmix“ (Nüsse, Rosinen, Saaten - @Hermann: Der Tipp mit den Nüssen war gut!) gegessen, weil wir beide nach wie vor keinen Hunger hatten. Außerdem wollten wir weiter – nutzt ja nichts, irgendwie müssen wir das Ziel erreichen.
Aber es hätte ja auch schlimmer kommen können. Regen hatten wir nicht. Die großen dunklen Wolken die hin und wieder zu sehen waren, sind freundlicherweise immer an uns vorbeigezogen.
Gestern scheinen wir auch großen Glück gehabt zu haben. Zwei Frauen mit denen wir uns heute morgen unterhalten haben sagten, dass sie in der Nähe von Bozeman gestern in Starkregen und Hagel gekommen sind. Wir nicht!

Erwähnt werden müssen heute auch noch die vielen weißen Kreuze, die wir am Straßenrand gesehen haben (seit wir in Montana sind). Sie weisen auf Unfälle mit tödlichem Ausgang hin. Uns machen die Kreuze betroffen, weil häufig nicht nur eins dort steht, sondern 2 oder mehr. Scheinbar stellt der Staat die Kreuze zur Mahnung auf (einige sind geschmückt oder mit Namen versehen) und wir hoffen, dass sie ihre Wirkung nicht verfehlen.

Wir hatten aber immer noch 20 Kilometer und die zogen sich. Mit gesenktem Kopf (wegen des Windes) sind wir bis Helena gestrampelt und direkt am Ortseingang entkräftet bei Burger King eingekehrt. Nach der Stärkung und einem kurzen Austausch mit der Familie daheim haben wir den letzten Kilometer zum Motel in Angriff genommen. Jetzt sind wir also in Helena, der Hauptstadt Montanas, haben müde Beine und die Oberschenkel verlangen nach einer kleinen Massage.

Redakteur

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30. Juni 2018, 05:48

Fr. 29.06. - 61. Tag: Das Wetter in Montana

Von Bozeman, MT nach Three Forks, MT: 62 km

Wir hatten den Wecker auf 6:30 gestellt. Und es regnete in Strömen.
Wir hatten für den Tag ca. 60 km nach Three Forks vor uns, wofür wir ca. 3,5 bis 4 Std. eingeplant hatten. Der Wetterbericht sagte Besserung im Laufe des Tages voraus. So hofften wir, dass wir dann gegen Vormittag losradeln konnten. Nach dem „very continental“ Frühstück (Waffeln, Toast, Joghurt) hörte es dann fast auf zu regnen und wir haben uns entschieden, dies zu nutzen und loszufahren. Es nieselte zwar noch ein bisschen, aber es wurde dann tatsächlich trockener. Wir haben unsere Regenklamotten angelassen, denn es zogen immer mal wieder dunkle Wolken durch.
Die Straße war sehr ungemütlich. Nur zweispurig, ohne Shoulder und es überholten uns auf den ersten 15 km dauernd Handwerker-Pickups mit relativ geringem Abstand.
Nach Belgrade wurde der Verkehr ruhiger und wir kurbelten auf der flachen Strecke die Kilometer runter. Die Strecke Bozeman-Three Forks liegt in einem Tal, eingerahmt von hohen Bergen.
Ein kurzer Stopp in Manhattan war die einzige Pause auf der Strecke.
In Three Forks haben wir einen kleinen Umweg um ein paar Seen und einen Golfplatz gemacht und sind dann in die Stadt auf die Main St. gefahren. Dort haben wir einen Imbiss in der Dorf-Kneipe (das heißt hier Saloon) zu uns genommen.
Danach sind wir zum Motel gefahren. Als wir dann im Zimmer waren, fing es an zu regen.
Einkaufen und Essen im Zimmer beendeten den Tag.

Morgen geht es über 100 km nach Helena, in die Hauptstadt von Montana

@Brigitte:
Liebe Schwägerin,
vielen Dank für deinen Gästebuch-Eintrag. Wir freuen uns, dass Du Dir Gedanken über unsere Wiedereingliederung nach der Tour machst. Aber Du hast Recht. Es macht Sinn sich zeitig Gedanken über die Folgen dieser Reise zu machen.
Ihr werdet das Thema bestimmt heute auf Niklas Geburtstags-Party umfangreich aufgreifen und besprechen. Aber bitte denkt an die Nachbarn!!
Petra möchte übrigens nach der Tour lieber auf einem aufblasbarem Sitzring sitzen.

Redakteur

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29. Juni 2018, 05:56

Do. 28.06. - 60. Tag: Goodbye Wyoming, hello Montana !!!

Nach einem mehr als kargen Frühstück (halber Muffin und eine Tasse Kaffee) auf dem Hotelzimmer sind wir um 7.45 Uhr vom „Old Faithful Inn“ aufgebrochen. Zum Abschied ist ein Bison extra für uns vorbei gekommen und hat sich am Hotel von uns verabschiedet.
Wir sind zunächst zum „Midway Geysir Basin“ gefahren und wollten uns die „Grand Prismatic Spring“ angucken; d.h. wir haben es versucht. Der Parkplatz dort war schon sehr voll, den Rundweg um die Quellen und Geysire haben wir gemacht, aber da es morgens nur ca. 11°C und bedeckt war, haben wir von der Quelle eigentlich nur aufsteigenden Nebel gesehen – das war zwar auch ganz cool, aber wir hätten gerne die ganze Farbenpracht gesehen (wer möchte, kann sich die Quelle bei www.google.de/maps unter den Koordinaten mal von oben ansehen: 44°31'30.1"N 110°50'17.4"W und dann auf die Satelliten Ansicht einstellen – die sieht wirklich sehr schön aus).
Dann sind wir weiter in Richtung westlichen Parkausgang und dann nach West Yellowstone gefahren und haben auch nicht mehr angehalten. Wir haben auf dieser Fahrt die Grenze zu Montana ein paar Mal überquert, nur um dann wieder nach Wyoming zu kommen (96% des Yellowstone NP liegt in Wyoming, 3% in Montana und 1% in Idaho).
In West Yellowstone haben wir erst einmal anständig gefrühstückt und anschließend dort das Yellowstone Museum besucht.
Danach sind wir in einem durch nach Bozeman gefahren und Montana hat uns willkommen geheißen. Unseren gemieteten Chevrolet (der übrigens super gefahren ist und sehr bequem war) mussten wir am Flughafen in Bozeman abgeben. Das hieß erst einmal alles ausladen, Fahrräder raus hieven und beladen und anschließend den Schlüssel zur Autovermietung bringen.
So…. Endlich (nach 5 Tagen Entzug) konnten wir wieder auf das Fahrrad steigen.
Wir sind vom Flughafen eine Landstraße (ohne Seitenstreifen) 17 km bis nach Bozeman gefahren, um zu unserer Unterkunft zu kommen. Das Gemeine: Morgen müssen wir genau diese Strecke wieder zurück, am Flughafen vorbei, nach „Three Forks“.
Wir waren zwischen drei und halb vier in unserem Zimmer, haben erst mal die „Guest-Laundry“ in Anspruch genommen und gehofft, dass unsere Hosen Waschmaschine und Trockner gut überstehen.
Jetzt sind wir also in Bozeman/Montana und extra für uns gab es heute ein Musikfestival im Ort (das erste in diesem Jahr, welches über den Sommer jeden Donnerstag stattfindet). Da es vorhin noch gewittert hat, hatten wir schon die Befürchtung im Regen zu versinken, aber es waren angenehme 19°C und trocken. Die Musik war toll, erinnerte an Kuba und es war mächtig was los auf der Main Street.

Redakteur

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29. Juni 2018, 00:35

Mi. 27.06. - 59. Tag: Wanderung zum Biscuit Basin

Nach dem kargen Hotelzimmer-Frühstück sind wir zu einer kleinen Wanderung zu einem entfernteren Geysir-Feld - dem „Biscuit Basin“ – aufgebrochen. Auf dem Weg dorthin haben wir noch viele andere heiße Quellen und Geysire gesehen. Die Farben und Formen waren einfach toll. (siehe Fotos)
Wir haben auch heute wieder richtig Glück mit dem Wetter gehabt, strahlender Sonnenschein, aber nicht zu heiß. Der ideale Tag für unsere Wanderung!
Vom „Biscuit Basin“ sind wir dann weiter zu den „Mystic Falls“ – einem kleinen Wasserfall – gelaufen. Hier ging es über einen kleinen Pfad rauf und runter durch „Bear Country“. Landschaftlich war das wieder wunderschön.
Der Rückweg zog sich dann aber hin, insbesondere weil viele Mücken unterwegs waren, für die wir eine gute Nahrungsquelle abgaben. „Aufgelockert“ wurde er durch eine Stelle, an der Bisonfell-Reste und ein paar Knochen lagen. Also schnell Fotos machen und sofort laut pfeifend weiter.

Nach 5 Stunden waren wir dann wieder im Zimmer und haben etwas gegessen und Fotos gesichert.
Am frühen Nachmittag haben wir an der 1-stündigen Hotel-Führung teilgenommen.
Das Hotelgebäude ist von 1904 und seitdem – bis auf Modernisierungsmaßnahmen – so erhalten geblieben. Die Anbauten, in denen auch unser Zimmer liegt sind von 1927. Dieses war das erste Hotel in einem Nationalpark. Die Gäste fuhren mit der Bahn an die Parkgrenze und wurden dann mit Kutschen und später mit Autos zum Hotel gebracht. Das Hotel ist nur von Mai bis Oktober geöffnet.
Es werden 3 Wochen benötigt, um das Hotel winterfest zu machen.

Danach waren wir noch Abendessen und es war ein erneuter Besuch im Visitor Center angesagt.
Im VC haben wir einen interessanten Vortrag zum Thema „Bisons“ gehört.

Morgen werden wir mit dem Auto nach Bozeman, Montana, fahren und es dort wieder abgeben.
Dann heißt es wieder radeln.

Redakteur

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